Dienstag, 9. Oktober 2012

Hörbuchkritik: Pascal Breuer liest Lodro Rinzler

Der Erleuchtung so nah


Paccal Breuer liest Lodro Rinzler "Triffst du Buddha an der Bar..."


Manche Bücher sind prädestiniert dafür, um vorgelesen
zu werden. Dazu gehört auch das flippige "Triffst du
Buddha an der Bar, gib ihm einen aus" von Lodro
Rinzler. Er duzt den Zuhörer, flucht auch schon einmal
und gibt dennoch ernsthafte Weisheiten des Buddha
respektive zur Meditation.
Gelesen werden die 234 Minuten und 52 Sekunden von
Schauspieler Pascal Breuer. Mit leicht ironischer Stimme,
die zugleich wie eine perfekte Sprecherstimme daherkommt,
lässt Breuer keine Langeweile aufkommen. Er verkörpert
den Autoren Lodro Rinzler, der buddhistischer Lehrer
der Shambala-Tradition ist und in Meditaitonszentren
sowie an Colleges unterrichtet. Kult erhielt sein Blog
"Whar would Sid do?". Das Hörbuch kann Flugzeiten
verkürzen oder Busfahrten, während der Zuhörer ein
anderer wird. So lernt er, dass Gedanken nur als solche
wahrgenommen werden sollen. Einfach kommen und
gehen lassen. Während der Meditation, so der Ratschlag
und dabei auf die Atmung achten. Das ist nicht neu, dafür
aber die humorigen Einwürfe aus dem wahren Leben.
Die meisten denken nur an sich, nicht jedoch an andere.
Dann gibt es die Übung, bei - fast - jeder Bitte zuzustimmen
sowie den rabiaten Chef oder Kollegen einfach mal sich
austoben lassen. Ihn wie einen wild gewordenen Bullen
auf der Weide leerlaufen lassen. Ein schönes Bild.
Entspannung lernen, Schutzschilder fallenlassen und
Erwartungen loslassen sind weitere Hinweise auf dem Weg
zur Buddhaschaft. Es macht Spaß, der Stimme von
Pascal Breuer zu lauschen und sich immer wieder von
den Einfällen von Lodro Rinzler überraschen zu lassen.
Ein etwas anderes Hörbuch über Meditation und den
Buddhismus.
(c) Corinna S. Heyn

Pascal Breuer liest
Lodro Rinzler, Triffst du Buddha an der Bar,
gib ihm einen aus.
3 CDs, 235 Minuten
Steinbach sprechende Bücher 2012
www.steinbachsprechendebuecher.de

Samstag, 12. Mai 2012

Hörbuchkritik: Henning Venske liest Der Menschensohn



Henning Venske als sonorer Jesus

Hörbuchkritik: Der Menschensohn von Michael Köhlmeier

Das Hörbuch über die Leiden Jesu beginnt ausgerechnet
mit einem Judas. Es gab viele Männer mit diesem Namen,
weswegen der Name einen Zusatz bekam. Judas, der
"Zwilling" ist gemeint. Er hatte keine Freunde, konnte
gut mit sich alleine sein. Henning Venske liest mit
sonorer, einnehmender Stimme. Ohne den Schauspieler
zu sehen, würde man ihn allerdings nicht sofort erkennen.
Er hat ein angenehmes Timbre, das beruhigend wirkt.
Er erzählt von Herodes, dem Statthalter Roms. Unter ihm
herrschte Terror. So ließ er alle Neugeborenen Bethlehems
töten. Die Römer unterdrückten die Juden, die aufbegehrten.
Pontius Pilatus beleidigte und provozierte. Er beging
irgendwann Selbstmord. Bevor es aber um Jesus Christus
geht, steht die Geschichte Roms und die von Jerusalem
im Vordergrund. Dazwischen ertönt Gitarrenmusik. Henning
Venske agiert als Jesus und sagt: "Wer von Euch ohne
Schuld ist, der werfe den ersten Stein." Jesus nimmt
damit dem Hohen Rat den Wind aus den Segeln. Dieser Rat
wollte Jesus eine Falle in einem Gerichtsprozess stellen.
Es ging um ein verbotenes Liebesverhältnis. Henning
Venske spricht sehr leise, fast verhalten, immer in sich
ruhend wie ein Fels in der Brandung. Er flüstert auch
in bedeutungsvollen Passagen. Es ist einfach, ihm zu
folgen und alle Informationen in sich aufzusaugen.
Angemessen für Jugendliche ab 14 Jahren, die sich
vielleicht Notizen dazu machen wollen. Der hr (Hessische
Rundfunk) setzte das Hörbuch auf die hr2-Hörbuchbestenliste.
Mit Fug und Recht.
(c) Corinna S. Heyn


Henning Venske liest
Der Menschensohn.
Die Geschichte vom Leiden Jesu
von Michael Köhlmeier.
2 CDs, 159 Minuten
Audiolino 2011
Ab 14 Jahren

Hörbuchkritik: Leslie Margolis, Schmetterlinge, die kribbeln, können ganz schön nerven



Svenja Pages liest mit Schmetterlingen im Bauch

Hörbuchkritik: Leslie Margolis, Schmetterlinge, die kribbeln,
können ganz schön nerven

Svenja Pages ist ein Profi. Die Schauspielerin, die schon
1986 bei den "Drombuschs" im Fernsehen ihr Debüt feierte,
ist jung geblieben. Vor allem ihre Intonation mit der sie
die Teenager-Story "Schmetterlinge, die kribbeln, können
ganz schön nerven" liest. Leicht genervt im Tonfall, aber
auch aufgeregt, jugendlich, frisch schwingt sie ihre Stimme
und trägt sie durch all ihre Rollen hindurch. Sie erreicht
damit Jugendliche und Kinder ab zehn Jahren, aber auch
Erwachsene - mit pupertierenden Kindern. Pages scheint
dieser Zielgruppe genau auf den Mund geschaut zu haben.
Andererseits ist sie als studierte Schauspielerin (Hochschule
für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main)
ohnehin vom Fach. Ihre Frische im Timbre hat sie sich erhalten.
In dem Hörbuch aus der Feder der US-Amerikanerin Leslie
Margolis aus New York geht es um Annabelle, ihren neuen
Stiefbruder und um den ersten Schulball. Mit wem wird sie
dorthin gehen? Der süße Oliver hat es ihr angetan. Mit ihm
nimmt sie an einem Wissenschaftswettbewerb teil. SVenja Page
schlüpft gekonnt auch in die männlichen Rollen in Teenie-Manier
mit einer absoluten Coolness im entsprechenden Jargon. Ein
Inhaltsverzeichnis mit den Kapiteln der CDs ermöglicht es,
sich ein Lesezeichen zu setzen oder bestimmte Passagen (wie
Drama-Queen, Pfannkuchenallergie?) noch einmal anzuhören.
Das Hörbuch macht Spaß, weil es frisch-fröhlich gesprochen
wird.
(c) Corinna S. Heyn


Svenja Page liest
Schmetterlinge, die kribbeln, können ganz schön nerven
von Leslie Margolis.
3 CDs, 232 Minuten.
Audiolino 2012
ab 10 Jahren



Hörbuchkritik: Jeannine Platz liest Der Delfin und die Glitzerhöhle
von Barbara Zoschke

Ein U-Boot soll Erleuchtung bringen

Ponyfee ist 9,1 Jahre alt. Zaubern, Feenkunde, Reiten
und Inselkunde gehören zu ihren Schulfächern. Die
Stimme von Jeannine Platz ist kindlich. Sie liest
schnell gluckst, trötet und lispelt ein wenig in ihren
Rollen als Bella, Zitronella, Ponyfee und Butterblume.
Eine Inselerkundung auf einem Schulschiff steht an.
Witzie Dialoge wechseln sich ab wie Ping-Pong-Bälle.
Das U-Boot, mit dem alle tauchen sollen, erfreut Ponyfee
ganz besonders. Als Bella, die Mutter von Ponyfee,
agiert die Sprecherin sehr sanft. Als Zitronella, die
Erzieherin schulmeisterlich streng. Auf einmal geht
auf dem Meeresgrund das Licht aus. Es ist dunkel dort und
eine Mission für die Zauberfeen. Mit dem U-Boot soll
Licht ins Dunkel gebracht werden. Barbara Zoschke schrieb
die Abenteuer der Ponyfee "Der Delfin und die Glitzerhöhle"
für Kinder ab sechs Jahren. Mit Jennine Platz, die
hinreißend die den Kinderstimmen mit all ihren Facetten
Leben einhaucht, ist ein Hörspaß für kleine Kinder entstanden,
die das Meer, Ponys und Abenteuer rund um Feen lieben.
(c) Corinna S. Heyn


Jeannine Platz liest
Da kommt Ponyfee!
Der Delfin und die Glitzerhöhle
von Barbara Zoschke
1 CD, 59 Minuten Laufzeit
Audiolino 2012
Für Kinder ab 6 Jahren


Montag, 30. April 2012

Dana Geissler liest sehr sinnlich



Dana Geissler liest mit sinnlicher Stimme

Die Tränen der Maori-Göttin

von Sarah Lark

Sehr sinnlich ist die Stimme von Dana Geissler.
Sie studierte Schauspiel in Wien am Max-Reinhardt-
Seminar. Bekannt ist sie aus TV-Produktionen
wie "Rosamunde Pilcher", "Der Schattenmann",
"Anna und die Liebe". Sie liest "Die Tränen der
Maori-Göttin" als Abschluss der Familiensaga wie
ein Hörspiel in einer Art One-Woman-Show von
der Autorin Sarah Lark. Mal ironisch, mal heiter
beschwingt - Dana Geissler schlüpft in alle
Rollen gleichermaßen gut mit unterschiedlichen
Tonlagen und charakterlichen Feinheiten. Fast
verschwindet der Inhalt hinter der faszinierenden
Stimme. Sarah Lark's Roman ist der letzte in einem
Familienepos vor der Kulisse Neuseelands und
Südafrikas. Es ist das Jahr 1899 in Neuseeland, als
Kevin Drury als Stabsarzt nach Südafrika geht.
Er hat eine schöne, neue Freundin namens Juliette,
was Roberta betrübt, denn sie ist heimlich in ihn
verliebt. Juliette war sehr lebenslustig, bevor sie
ihren Auserwählten traf. Sie ist Amerikanerin, tingelte
als Sängerin auf einem Luxusliner und will über ein
Kind an eine Ehe mit Kevin kommen. Zur Not mit allen
weiblichen Mitteln. Doch Kevins Eltern sind von der
zwielichtigen Frau nicht angetan. Die beste Freundin
Robertas heißt Atamarie und geht als einziges
Mädchen auf das Canterbury College in Dunedin für
Ingenieurswissenschaften. Dabei trifft sie auf den
Flugpionier Richard Pearce. Denn sie ist seit ihrer
Kindheit von den Lenkdrachen der Maori begeistert.
Es macht Spaß, der unverwechselbaren, facettenreichen
Stimme Dana Geisslers zu folgen auf der Reise durch
Neuseeland und Südafrika in einer fernen Zeit der
Kolonialisierung voller Gefahren mit kämpfenden Männern
und von Frauen auf dem weiten Weg zur Emanipation.
(c) Corinna S. Heyn


Dana Geissler liest
Sarah Lark, Die Tränen der Maori-Göttin.
6 CDs, 474 Minuten Laufzeit
Lübbe Audio 2012
www.luebbe.de